Als Anleger fällt die Entscheidung für oder wider einen bestimmten Handelsansatz nicht immer leicht. Dies liegt daran, dass die Anbieter wie Banken oder (Online-) Broker natürlich nichts unversucht lassen, ihre Produkte und Dienstleistungen über den sprichwörtlichen grünen Klee zu loben.

Und ganz unberechtigt sind solche Werbeaussagen auch nicht zwingend, jedoch stellt sich stets die Frage: Welche Ziele verfolge ich als Händler mit einem Investment oder mit bestimmten Handelsaktivitäten? Zum Beispiel stoßen Interessenten in Vergleichen im WWW vielfach auf den Handel mit Binären Optionen auf der einen und den Devisenhandel (auch Forex- oder FX-Trading) auf der anderen Seite, wenn sie nach Möglichkeiten suchen, ihr Geld für Spekulationen zu nutzen, ohne dabei ein direktes Investment wie am Aktienmarkt vornehmen zu müssen.

Die dringend zu stellende Frage lautet an dieser Stelle: Was unterscheidet den Binär- vom Devisenhandel? Worin bestehen die jeweiligen Vorteile und welche besonderen Risiken sind vom Händler/Trader zu berücksichtigen vor und während dem Handel?

Binäre Optionen und Forex Trading - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Binäre Optionen und Forex-Trading haben durchaus einiges gemeinsam. Dabei ist in erster Linie zu nennen, dass Anleger in diesen Bereichen keine physischen Werte wie etwa Aktien, Rohstoffe, Anleihen oder anderes erwerben. Sie spekulieren vielmehr auf die Kursveränderungen sogenannter Basiswerte, die wiederum auch als Underlyings, Assets oder Vermögenswerte bezeichnet werden. Die Handelsplattformen der Broker sind ebenfalls ein Bindeglied zwischen dem Binär- und dem modernen Devisenhandel. Der Boom im Internet hat erst dazu geführt, dass beide Marktsparten verstärkt auch Privatanlegern zugänglich wurden. Gerade auch weil die Einstiegshürden für die Eröffnung eines Händlerkontos über die Jahre gesunken sind. Im gleichen Atemzug ist zu sagen, dass der Binärhandel weitgehend außerhalb der Börsen abgewickelt wird – hier spricht man auch vom außerbörslichen Handel, der möglich wird, weil nur auf die Kursentwicklung spekuliert wird, während keine direkten Anlagen erforderlich sind.

Hierzu sei ein Missverständnis frühzeitig aus der Welt geschafft: Der Begriff des Devisenhandels hat nichts mit dem Kauf von Währungen am Schalter bei der Bank zu tun, wie es früher vor Reisen ins Ausland oder teils auch zwecks Spekulation auf beispielsweise einen steigenden Kurs des US-Dollars bei manchem Anleger beliebt war.

Geringer finanzieller Aufwand für die Eröffnung von Handelskonten

Was unterscheidet den Binär- vom Devisenhandel nun, da die Bedingungen für die Kontoeröffnung in beiden Fällen vielfach recht ähnlich ausfallen, da vielerorts bereits eine Ersteinlage in Höhe von ein paar hundert Euro ausreicht, um ein Konto zu eröffnen. Trades/Orders, also die Positionen für den aktiven Handel können hingegen hier wie dort oft schon mit einem ein- oder geringen zweistelligen Eurobereich auf den Weg gebracht werden. Damit können auch Interessenten mit eher geringem Spekulationsbudget ins Trading einsteigen.

Ein elementarer Unterschied, der im weiteren Verlauf noch eingehend zur Sprache kommen muss und wird, ist die Art, wie der Einsatz erbracht wird. So unterscheidet sich der Binärhandel vom Forex-Trading dadurch, dass Binaries-Händler stets den vollen Einsatz pro Trade aus der eigenen Kasse aufbringen müssen. FX-Trader hingegen profitieren von einer Hebelwirkung, die ihnen die Vervielfachung ihres eigenen Einsatzes erlaubt – diese aber ist Risiko und Chance zugleich, wie sich noch zeigen wird.

Kurze Laufzeiten beim Binärhandel als eindeutiger Unterschied

Ein weiterer Unterschied zeigt sich im Hinblick auf die Haltezeiten der Positionen. Im Regelfall und ungeachtet möglicher zur Verfügung stehender Instrumente zum vorzeitigen Schließen oder Verlängern einer Option entscheiden Kunden eines Anbieters aus dem Binäre Optionen Broker Vergleich im Moment der Ausführung ihrer Trades, welcher Laufzeit sie den Vorzug geben möchten. Je nach Anbieter stehen Laufzeiten ab 30 bzw. 60 Sekunden über Minuten und Stunden (Stichwort: Daytrading) bis hin zu meist maximal einigen Wochen oder Monaten zur Wahl. Nachträgliche Laufzeit-Anpassungen sind nicht bei allen Brokern möglich, weshalb Händler hier oft sehr bewusste Entscheidungen treffen müssen.

Gibt es Möglichkeiten zur Korrektur, sind diese Extras üblicherweise unter Namen wie "Roll Over" oder "Early Closure" auf den Plattformen zu finden. Forex-Trader hingegen können recht flexibel abwägen, wann sie ihre Positionen abhängig von der Marktlage schließen möchten – egal, ob es sich dabei im Einzelnen um Kauforders oder sogenannte Leerverkäufe handelt.

Binärhandel gelingt mit vielen verschiedenen Basiswerten

Was den Binär- vom Devisenhandel am deutlichsten unterscheidet ist wohl die Auswahl der handelbaren Basiswerte. Schon ihrem Namen entsprechend konzentrieren sich Forex-Broker auf Instrumente des Devisenmarktes. Derartige Werte können zwar auch über Binaries-Broker zur Grundlage neuer Trades werden. Sie sind aber bei genauer Betrachtung stets nur ein Sektor, aus dem Brokerkunden auswählen können.

Denn insgesamt setzen Binaries-Broker auf:

  • Aktien
  • Indizes
  • Devisenwerte
  • Rohstoffe
  • teils Anleihen & ETFs

Die fünfte Basiswert-Kategorie taucht bis dato im Brokervergleich allerdings eher selten aus und kann somit für interessierte Händler durchaus zu einem wichtigen Auswahlkriterium werden. Meist entstammen die meisten Basiswerte dem Aktienmarkt, auf Platz 2 liegen mehrheitlich nationale und internationale Indizes.

Leverage als wichtiges Charakteristikum des Devisenhandels

Der Trading-Spielraum beim Binärhandel fällt damit im Direktvergleich wesentlich üppiger als beim reinen Devisenhandel aus. Ergeben sich zum Beispiel aufgrund einer schwierigen Marktlage keine Chancen am Devisenmarkt, stehen noch ausreichend andere Bereiche zur Disposition, um nicht nur bei steigenden Kursen, sondern auch selbst in Seitwärtsbewegungen oder Krisenzeiten in vielfältiger Weise Gewinne mitzunehmen. Auch beim Forex-Trading kann das Spekulieren auf Kursrückgänge bei einzelnen Währungen/Devisenpaaren zum Erfolg führen. Nur eben lediglich in einem einzigen Spektrum des Marktes und damit nicht so flexibel wie im Binärhandel.

Die erwähnte Hebelwirkung wird im Fachjargon auch als Leverage bezeichnet. Je nach Broker können Devisenhändler mit einem einzigen Euro eigenen Kapitals bis zu 500 Euro in eine Position investieren, weshalb in diesem Falle von einem maximalen Hebel von 1:500 gesprochen würde. Alle Devisenbroker arbeiten mit einem mehr oder weniger hohen Hebel, sodass auch Kleinanleger größere Summen investieren können.

Haftung für Verluste über den Einsatz hinaus?

Dass Broker für den Handel Binärer Optionen auf derlei "Extra" verzichten, mag auf den ersten Blick als Nachteil erscheinen. Tatsächlich aber ist dies nur die halbe Wahrheit.

Denn Binaries-Trader können zwar nur Geld investieren, das sie wirklich besitzen, dafür aber können sie nicht ein Vielfaches ihres Eigenkapitaleinsatzes mit einer einzigen Order verlieren, wie es beim Forex-Trading der Fall ist, wenn Positionen aus dem Geld enden. Je nachdem, wie der Devisen-Broker arbeitet, kann es sogar dazu kommen, dass Anbieter sich auf die sogenannte Nachschusspflicht berufen. Diese wird mittlerweile bei vielen Dienstleistern ausgeschlossen, denkbar ist es aber dennoch, dass Händler bei enormen Verlusten weiteres Kapital über ihr Kontoguthaben "nachschießen" müssen. Im Ernstfall kann dies sogar zu einer existentiellen Bedrohung werden, wenn Händler zu hohe Risiken eingegangen sind.

Händler von Binäroptionen wissen jederzeit, welcher Verlust ihnen entstehen kann und wird, falls ihre Trades aus dem Geld enden. Und selbst in diesem Kontext können Händler noch teilweise Maßnahmen zur Absicherung ihres Budgets ergreifen. Mittels "Take Profit" kann dafür gesorgt werden, dass bereits erreichte Gewinne vor dem eigentlichen Verfallszeitpunkt mitgenommen werden. Positionen werden in diesem Fall vorzeitig geschlossen, sodass später keine Verluste oder Gewinnrückgänge mehr auftreten können. Natürlich aber beschränken Trader damit auch die Aussicht, noch höhere Gewinne zu realisieren. "Stopp-Loss"-Funktionen hingegen verhindern durchs Schließen vor dem Laufzeitende, dass unnötig hohe Verluste auftreten können.

Es sei an dieser Stelle betont dass die Möglichkeiten der Einbindung von "Take Profit" und "Stopp-Loss" für Forex Händler eine Selbstverständlichkeit darstellen, für Binary Trader hingegen nicht. Während alle bekannten Forex Handelsplattformen weitreichende Möglichkeiten der Gewinnmitnahme und Verlustbegrenzung bieten ist dies bei Binayr Brokern eher die Ausnahme. Auf der anderen Seite steht jedoch ein Risiko welches auf den geleisteten Einsatz begrenzt ist.

Binäre Optionen sind für kurzfristige Spekulationen besser geeignet

Dass mancher Händler erst mit kalkuliertem Risiko im Binärsektor beginnt, um später parallel dazu bei einem FX-Broker mit Devisenpaaren zu handeln, liegt auch und gerade an den berechenbaren Risiken. Hier wie dort sollten Trader selbstredend immer auf dem aktuellsten Stand der Nachrichtenlage sein. Denn die aktuellen News aus den Bereichen Wirtschaft und Politik sollten die Basis für die richtige und der Situation angemessene Strategie sein.

Dass Binäre Optionen auch im Sekundenbereich gehandelt werden können, macht Anleger besonders flexibel. Zumal der Devisenhandel von Anlegern oft ein gutes Reaktionsvermögen verlangt, da hier nicht unbedingt mit fixen, vorab definierten Laufzeiten gearbeitet wird. 60-Sekunden-Optionen (wie auch Optionen mit Laufzeiten im Minuten- oder Stundenbereich) sind für Binäroptionen-Trader ein guter Ansatz, um von marktbewegenden Nachrichten profitieren zu können.

Beliebte Binäre Optionen Strategien wie die Trendfolge-, die Kontratrend- oder die Absicherungsstrategie können hingegen auch beim Forex-Trading zum Ziel führen, wenn sie entsprechend an die dort geltenden besonderen Rahmenbedingungen angepasst werden.

In beiden Umgebungen können Anleger durch die Bereitschaft höhere Risiken einzugehen, ihre maximalen Renditen in erheblichem Maße aufstocken. Einige hundert Prozent als erklärtes Ziel sind nicht im Bereich der meist gehandelten Basiswerte erreichbar. Hier müssen Binaries-Händler auf volatilere und weniger gefragte Underlyings vertrauen.

Binärhandel für private Anleger als junges Spekulationsmodell

Was den Binär- vom Devisenhandel unterscheidet, ist über die genannten Fakten hinaus der historische Aspekt. Mit Devisen wird schon aufgrund der zunehmenden globalen Verknüpfungen der Wirtschaft sehr lange gehandelt. Schon im 19. Jahrhundert wurde auf die Kurse von Devisen und Währungspaaren an Börsen spekuliert und schon früher gab es die Möglichkeit zum Handeln, was als Vorläufer der heutigen Devisenmärkte bezeichnet werden kann. Binäre Optionen hingegen sind aus Sicht privater Anleger etwa seit Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts von Interesse. Letztlich war es aber schon weitaus früher üblich, mit Währungen zu handeln, was schon allein am zunehmenden Import/Export von Waren über Ländergrenzen hinaus lag. Beide Sparten des Finanzmarktes haben also ihre Geschichte; im direkten Vergleich haben Binäroptionen angesichts der kurzen Historie sehr rasch aufgeholt.

Der Unterschied zwischen festen Laufzeiten und manuellen Handelseinstiegen soll an dieser Stelle nochmals kurz thematisiert werden. So ist es beim FX-Trading durchaus Usus, dass Händler ihre Positionen "von Hand" eröffnen und auch schließen, was umso mehr Aufmerksamkeit von den Kunden eines Brokers verlangt. Schließlich müssen sie eine schnelle Auffassungsgabe haben und zügig auf neue Bedingungen reagieren können. Die Ursache für diesen Unterschied ist darin zu sehen, dass am Devisenmarkt keine Vorgaben in Form zeitlicher Limits existieren. Händler von Binären Optionen entscheiden sich ihrerseits zu Beginn der Haltezeit für eine definierte Laufzeit.

Was nicht bedeutet, dass die Handelsplattformen von Forex-Brokern nicht in etlichen Fällen durchaus die Chancen bieten, Positionen automatisch anhand bestimmter (vorinstallierter) Indikatoren oder Orderzusätze schließen zu lassen, ohne dass Trader unentwegt selbst auf die Kursentwicklungen achten müssen. Andersherum haben wir bereits erkannt, dass auch Binäre Optionen Broker zum Teil Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Laufzeit bieten.

Forexhandel kann mit höheren Kosten verbunden sein

Am Ende gibt es noch einen erwähnenswerten Aspekt, den Anleger vor ersten Aktivitäten bei der Frage "Was unterscheidet den Binär- vom Devisenhandel?" kennen und berücksichtigen müssen. Der Handel mit Binären Optionen ist zwar nicht kostenlos. Jedoch zeichnen sich Entgelte in anderer Form ab als beim FX-Trading. In beiden Bereichen sollten Anleger generell nach möglichen Gebühren für Auszahlungen vom Handelskonto Ausschau halten. Die Broker- und Marktgebühren beim Binärhandel werden in weiten Teilen über die Gewinnquoten abgerechnet. Ein böses Erwachen kann es damit nicht geben, da Händler von Beginn an wissen, welche Gewinne bei welchen Positionen winken. Forex-Trader sollten indes sehr genau hinsehen, welche Finanzierungskosten ihnen entstehen. Gerade im Hinblick auf die sogenannten Leerverkäufe, für die sich Händler vom Broker im Grunde Geld leihen.

Werden Positionen dieser Art übers Wochenende oder allgemein mehrere Handelstage (oder sogar noch längere Zeiträume) gehalten, lässt dies die Handelskosten steigen und damit die Rendite sinken. Ein Blick auf die aktuellen Zinssätze an den Handelstagen ist hierbei unerlässlich. Wer nur mit eigenem Geld spekuliert und damit den Leverage-Effekt ungenutzt lässt, kann auch beim Devisenhandel auf eine transparente Kostenstruktur vertrauen.

Woher stammen die gestellten Kurse auf den Plattformen?

Sowohl beim Handel mit Binären Optionen als auch beim FX Trading gilt es des Weiteren zu beachten, dass Broker die Rolle eines "Market Makers" einnehmen können und somit selbst bei der Kursstellung in der Verantwortung stehen. Wetten Broker gegen die eigene Kundschaft, kann dies durchaus zu einem Interessenkonflikt führen. In aller Regel aber beziehen die meisten Anbieter aus dem Binäre Broker Vergleich die Kurse von den Märkten, Börsen oder unabhängigen Agenturen. Im Forex Bereich gibt es neben den erwähnten Market Makern mittlerweile immer mehr sog. ECN und STP Broker welche einen direkten Zugang zum Markt bzw. zu einem Pool an Liquiditätsprovidern ermöglichen.

Im Endeffekt gibt es also etliche Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede zwischen dem Binär- und Devisenhandel. Als wichtige Vorteile von Binäroptionen hervorzuheben sind nochmals die leichte Nachvollziehbarkeit dieses Finanzinstruments, die Begrenzung des Risikos auf das eingesetzte Kapital sowie die Vielfalt an Handelswerten und Handelsarten.

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